Ich habe den Film Bunker letzten Monat beim Zurich Film Festival (ZFF) gesehen. Penélope Cruz und Javier Bardem, die seit sechzehn Jahren verheiratet sind und bereits seit 1990 gemeinsam vor der Kamera stehen, spielen ein Ehepaar in der Krise.
Miguel (Javier Bardem) ist ein erfolgreicher Architekt. Seine Ehefrau Sofía (Penélope Cruz) arbeitet bei einem Verlag. Sie leben mit ihren beiden Töchtern in einem luxuriösen Haus in London. Sofía hat ihre Stelle als Cheflektorin bei einem Verlag in Madrid aufgegeben, damit Miguel sich ganz seiner beruflichen Karriere widmen kann. Das Paar steckt in einer Krise. Sie hetzen von einem Termin zum anderen, versuchen Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen und streiten sich schon wegen Kleinigkeiten. Die Organisation des Familienlebens ist das, was sie zusammenhält.
Der alltägliche Stress wird offensichtlich, als der Nachbar Toby, der in einer umgebauten Garage wohnt, beginnt, ein Fenster einzubauen, das auf den Garten von Miguel und Sofía hinausgeht und sie in ihrer Privatsphäre stört. Miguel versucht, dieses Problem zu lösen, indem er Toby Geld anbietet und gleichzeitig droht, seinen Anwalt einzuschalten. Dabei verhält er sich sehr arrogant und glaubt, er könne seinen Nachbarn damit einschüchtern.
Als Miguel das Angebot eines Tech-Milliardärs erhält, für diesen einen Bunker auf Hawaii zu bauen, kann er diesem Angebot kaum widerstehen. Das Projekt ist streng geheim, sodass es seinem Ruf als Architekt nicht helfen wird. So wie Miguel zuvor seinen Nachbarn herablassend behandelt hat, wird er nun selbst vom Milliardär behandelt. Es scheint, dass er praktisch keine andere Wahl hat, als den Auftrag anzunehmen.
Sofia ist sehr verärgert darüber, dass ihr Mann dieses Projekt akzeptieren will. Sie kritisiert, dass Miguel Superreiche dabei unterstützen will, sich zu verschanzen, anstatt sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Dies verschärft die Ehekrise, in der sie sich befinden. Erst eine existenzielle Bedrohung, bei der der Nachbar Toby eine Schlüsselrolle spielt, eröffnet eine Möglichkeit, das Paar wieder zusammenzubringen. Ob das Paar sie nutzen wird?
Der Regisseur geht nicht näher auf das offensichtliche Thema ein, welches der Film vorstellt: die Kluft zwischen Arm und Reich. Der Milliardär investiert sein Geld, um sich selbst zu schützen, anstatt zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen. Stattdessen geht es um die Beziehungsprobleme eines Paares, das Kompromisse eingehen muss, damit jeder seine Träume verwirklichen kann. Der Bunker wird dabei zur Metapher eines isolierten Lebens, in dem sich alles darum dreht, die eigenen Wünsche durchzusetzen und darüber der Blick auf die anderen verloren gehen kann.
Trotz dieser Einschränkung oder vielleicht gerade deswegen ist es ein sehenswerter Film, der von den beiden Hauptdarstellern getragen wird. Javier Bardem hat mir als erfolgreicher Architekt, bindungswilliger Ehemann und etwas orientierungsloser Vater sehr gut gefallen. Und auch Penélope Cruz im Spannungsfeld als Mutter von zwei jugendlichen Kindern und als Berufstätige, die ihrem Mann zuliebe zunächst auf die grosse Karriere verzichtet hat, spielt grossartig.
Der französische Schriftsteller und Regisseur Florian Zeller ist durch die Komödie Der Vater bekannt, die 2021 einen Oscar gewann. Der Film Bunker regt mehr zum Nachdenken an, als es auf den ersten Blick scheint – ein Grund mehr, ihn sehr zu empfehlen. Ab dem ersten Quartal 2027 wird er in Schweizer Kinos zu sehen sein.
