Gustavo Petro ins Amt eingeführt

Gustavo Petro wurde am 7. August 2022 auf der Plaza Bolívar in Kolumbiens Hauptstadt ins Amt des Präsidenten eingeführt. Er ist der 34. Präsident der Republik Kolumbien. An seiner Seite amtet die Umweltaktivistin Francia Márquez als Vizepräsidentin.

Die Feier symbolisiert auf vielfache Weise die Hoffnung, aber auch die Ängste, die die kolumbianische Bevölkerung mit dieser Amtseinführung verbinden. Die Böll-Stiftung hat eine sehr gute Zusammenfassung des umfassenden Programms der neuen Regierung publiziert. Ich habe in meinem letzten Newsletter drei kulturelle Details aus dieser Zeremonie herausgepickt, die zum einen den Optimismus, aber auch die politischen Widerstände gegenüber der neuen Regierungspolitik symbolisieren:

  1. der Streit um eines der Schwerter Simón Bolívars bei der Amtseinführung
  2. die Performance der afrokolumbianischen Pianistin Teresita Gómez aus Medellín
  3. der Erfolg des jungen afrokolumbianischen Modedesigners Esteban Sinisterra, der für die Outfits der Vizepräsidentin verantwortlich zeichnet.

Der Newsletter ist wie immer auf Substack nachzulesen: https://tertulia.substack.com/p/gustavo-petro-sworn-in-as-new-president

Podcast-Empfehlungen

In meinem aktuellen Newsletter auf Substack empfehle ich drei Podcast-Episoden aus der spanischsprachigen Kulturwelt. Hier sind die Empfehlungen auf Deutsch:

Asunción Gómez-Pérez, neues Mitglied der RAE

Das Thema Künstliche Intelligenz nimmt zum ersten Mal Platz im Plenum der Königlichen Spanischen Akademie (Real Academia Española, RAE). Asunción Gómez-Pérez, promovierte Informatikerin, wurde als neues Mitglied der RAE gewählt. Sie übernimmt den vakanten Sitz q (silla q).

Asunción Gómez-Pérez (Foto stammt aus El País)

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Semantic Web und Ontologie-Engineering. Sie ist damit die zwölfte Frau, die Einsitz im Plenum nimmt. Sie bringt ein völlig neues Profil mit, das der Institution viele neue Anstösse geben könnte. So zum Beispiel, wenn es um die Weiterentwicklung von Wörterbüchern oder automatische Übersetzungen geht. Auch die RAE durchläuft zur Zeit einen Prozess der digitalen Transformation. Das ist für eine altehrwürdige und geisteswissenschaftlich geprägte Institution sicherlich nicht immer ganz leicht.

RNE unterhielt sich mit Gómez-Pérez an der Polytechnischen Universität Madrid, wo sie als ordentliche Professorin arbeitet. Mit ihrer pragmatischen Sichtweise in Bezug auf Anglizismen und ihrem technischen Hintergrund könnte Gómez-Pérez eine erfrischende Ergänzung für das Plenum sein. Ich bin gespannt, wie sich ihr Einfluss entwickeln wird. Hier ist das Interview mit ihr

El Ponte – Kulturbrücken bauen

El Ponte ist ein ganz neuer Podcast, der Geschichten, Verbindungen und Kulturen des Ladino, der Sprache der sephardischen Juden in der Diaspora, beschäftigt. Obwohl die Sprache derzeit eine Randerscheinung ist, lebt Ladino von den Überschneidungen seiner vielen Einzelelemente, wie Spanisch, Portugiesisch, Hebräisch, Türkisch, Griechisch, Italienisch, Französisch, Arabisch und mehr fort. Als Gastgeber diskutieren Max Daniel und Ivy Jane aus Los Angeles über Themen wie Ort, Heimat, Diaspora, sprachliche und kulturelle Weitergabe und Gemeinschaft. In jeder Folge interviewen sie Gäste aus der ganzen Welt über ihre Beziehungen zum Ladino. Wenn Sie sich für Sprachen allgemein, die spanischsprachige Welt, die jüdische Kultur oder eben die vielen Überschneidungen zwischen diesen Themen interessieren, überqueren Sie diese „Brücke“, indem Sie in die Einstiegsfolge des Podcasts reinhören.
Ich finde es sehr interessant, dass zwei junge Menschen den Podcast starten. Ladino ist inzwischen viel mehr als ein nostalgisches Gefühl für ältere Menschen oder eine Nische für Hispanisten oder Hispanistinnen. Soweit ich weiß, ist es auch der erste englischsprachige Podcast über Ladino, und ich hoffe, dass er das Interesse derjenigen wecken wird, die mehr über diesen Teil der spanischen Sprachgeschichte erfahren wollen. Hier ist der Link zu ihrer ersten Folge.

Ich wünsche den beiden alles Gute und eine aufmerksame Zuhörerschaft.

Luisa Etxenike, Cruzar el agua

Susana Santaolalla, die Moderatorin der klassischen Radiosendung Libros de arena, ist immer sehr enthusiastisch, wenn sie über Literatur spricht; aber es war faszinierend, ihrem lebhaften Gespräch mit der spanischen Schriftstellerin Luisa Etxenike über ihr neues Buch Cruzar el agua (Das Wasser überqueren) zu folgen.

In dem Buch geht es um das Thema Einwanderung, das aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird. Manuela hat Kolumbien mit ihrem Sohn verlassen, der seit einem Jahr nicht mehr spricht. Sie arbeitet nun im Haus von Irene, die durch einen Unfall erblindet ist. Irene versucht, jeden Tag allein im Meer zu schwimmen, obwohl das Risiko besteht, dass sie die Wellen nicht früh genug sieht und sie ihr Leben gefährdet. Als die beiden Frauen beginnen, miteinander zu sprechen, kommen nach und nach die Ereignisse ans Licht, die das Leben der drei verändert haben – mit unerwarteten Folgen.

Ich habe dieses Gespräch mit seiner positiven Ausstrahlung sehr genossen und freue mich darauf, das Buch zu lesen. Extenike ist eine humanistische Autorin und mir gefällt der zentrale Gedanke des Romans, dass die Entwurzelung durch Vertreibung oder Emigration auch eine Befreiung sein kann.

Hier ist der Podcast: Libros de arena: Luisa Etxenike, Cruzar el agua

Viel Spass beim Hören dieser Podcast-Folgen!

Die englische Version des Newsletters findet sich wie immer auf Substack.

Wandern auf der Via de la Plata

Die Via de la Plata ist der längste der spanischen Caminos, die nach Santiago de Compostela führen. Mein Mann und ich haben die Osterpause genutzt, um mehrere Etappen dieses Pilgerwegs zwischen Sevilla und Mérida zu meistern. Damit die Erholung nicht zu kurz kommt und auch eine erneute Infektion mit dem Coronavirus verhindert wird, haben wir uns in sehr netten Hotels einquartiert. Generell aber ist es so, dass es auf dieser Strecke kaum öffentliche Herbergen gibt. Wir haben es sehr gut gehabt. Die täglichen Wanderetappen waren zwischen 16 und 26 km lang.

Einen ausführlichen Einblick mit vielen Fotos könnt Ihr im aktuellen Newsletter nachlesen: https://tertulia.substack.com/p/turigrinos-on-the-via-de-la-plata?s=w

PS: Die Kacheln oben aus dem Beitragsbild stammen übrigens aus dem Alcázar in Sevilla, aus einem Saal, der für die Hochzeit Karls V. mit Isabella von Portugal neu hergerichtet wurde.

Kulturnachrichten aus Argentinien

Im aktuellen Tertulia-Newletter stelle ich drei Themen der argentinischen Kultur vor.

Im ersten Thema bespreche ich Mariana Enríquez‘ Biografie der argentinischen Schriftstellerin Silvina Ocampo (1903-1933). Die Biografie lädt dazu ein, sich mit dem Werk Ocampos und ihrer spannenden Gedankenwelt intensiver auseinanderzusetzen.

Im zweiten Thema, das ich vorstelle, geht es um ein dunkles Kapitel der argentinisch-jüdischen Sozialgeschichte: Der Historiker Mir Yarfitz hat den mafiösen Menschenhandel im schnell wachsenden Buenos Aires zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufgearbeitet. Ob die Zeitgenossin Silvina Ocampo von diesem ganzen anderen Buenos Aires wusste?

Zu guter Letzt empfehle ich Euch einen Film aus der aktuellen Gegenwart: Fever Dreams basiert auf dem Roman Distancia de rescate der Autorin Samanta Schweblin. Sie selbst hat auch am Drehbuch mitgewirkt. Empfehlenswert!

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/argentina?s=w

Qué ver en Tordesillas

Tordesillas war im 15. Jahrhundert in geopolitischer Sicht ein bedeutsamer Ort, der die Kulturen Lateinamerikas bis heute prägt. Gemäss diesem Blogbeitrag lohnt auch heute noch ein Besuch.

Red de Cooperación de las Rutas del emperador Carlos V

Te ofrecemos una serie de lugares que son de visita obligada en Tordesillas

Tordesillas tiene mucho que ver, pero estos cuatro lugares son de obligada visita cuando vayas a conocer esta villa que es clave en la historia de España.

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Wiederbegegnung und Neuentdeckung: ‚Unter einem ferneren Himmel‘

Förderkreis des IAI

Die Neuausgabe der Gesammelten Werke von Juan Rulfo trifft auf begeisterte Besprechungen. Zum Beispiel hier und hier. So schwärmt auch die Herausgeberin, Autorin und Literaturvermittlerin Michi Strausfeld (Mitglied im ‚Förderkreis des IAI‘): „Eine wunderbare Ausgabe ist hier zu preisen.“ Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Literaturkritik veröffentlichen wier hier die Besprechung in ganzer Länge:

Eine wunderbare Ausgabe ist hier zu preisen: dieGesammelten Werkevon Juan Rulfo (1917–1986), dem unbestrittenen und einhellig gelobten Giganten der neuen lateinamerikanischen Literatur. Seine beiden schmalen Werke, auf denen sein Weltruhm gründet, der ErzählbandDer Llano in Flammenund der RomanPedro Páramo, erschienen bereits Mitte der 1950er Jahre. „OhnePedro Páramohätte ich niemalsHundert Jahre Einsamkeitschreiben können“, das jedenfalls behauptete Gabriel García Márquez, der den Roman so oft gelesen hatte, dass er ihn seitenlang aus dem Gedächtnis vortragen konnte.

Rulfos Werk ist nur mit anderen Giganten des 20. Jahrhunderts zu vergleichen…

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Bücherreisen

In meiner neuesten Tertulia bin ich dank Büchern und Artikeln wieder einmal in der spanischsprachigen Welt herumgekommen.

Im Newsletter greife ich die folgenden Themen auf:

  • ein Podcast von RNE über das mexikanische Spanisch
  • ein Gespräch mit der Schriftstellerin Anika Fajardo aus Minnesota über die Suche nach ihren kolumbianischen Wurzeln
  • und ein faszinierender Essay Alain de Toledos über das Judenspanische und dessen Bedeutung für ihn persönlich, aber auch für die sefardische Community.

Auch wenn wir derzeit gewisse Reisebeschränkungen hinnehmen müssen, werden Bücher und Kultur immer imaginäre Reisen ermöglichen.

Viel Spass bei der Lektüre: https://tertulia.substack.com/p/bookish-travels

Die virtuelle Renaissance des Ladino

Mein letzter Newsletter hatte einen klaren thematischen Schwerpunkt: Ladino bzw. Juden-Spanisch, über das ich auf dem Blog bereits häufiger geschrieben habe (z.B. Ladino-Sommerfestival, Diya internacional del ladino und Ich lerne Ladino).

Zu den Themen, die ich im Newsletter aufgreife, gehören:

  • die Zusammenfassung der Video-Aufzeichnung eines Panels, in dem die Anstrengungen zur Reaktivierung des Ladino vorgestellt und diskutiert werden. Das Panel wurde vom Jewish Language Project am Hebrew Union College organisiert
  • das Webforum Ladinokomunitá, in der sich Mitglieder auf Ladino zu Themen ihrer kulturellen und sprachlichen Gemeinschaft austauschen
  • Filme, in denen die Kultur des sefardischen Judentums thematisiert wird.

Es gibt also viele Ansatzpunkte, um sich lesend und schauend mit dieser Variante der romanischen Sprachen auseinanderzusetzen. Die digitalen Tolls helfen dabei erheblich, um die Sprache lebendig zu halten.

Viel Spass bei der Lektüre: https://tertulia.substack.com/p/more-about-ladino-judeo-spanish

Premio José Donoso für Cristina Rivera Garza 

Der Literaturpreis „Premio José Donoso“ geht in diesem Jahr an die mexikanische Schriftstellerin Cristina Rivera Garza. 🥰

Förderkreis des IAI

In den ersten beiden Dezemberwochen findet traditionell die Buchmesse in Santiago de Chile statt. In ihrem Verlauf wird auch derPremioJoséDonoso, benannt nach dem berühmten chilenischen Schriftsteller (1924-1996) und einer der wichtigsten Literaturpreise Lateinamerikas,überreicht, auch wenn der/die Preisträger*injeweilsbereits im September bekanntgegeben wird. In diesem Jahr erhieltden Preisdie in Deutschland noch wenig bekannte mexikanische Autorin Cristina Rivera Garza.

Rivera Garza, geboren 1964, lebt als Literaturprofessorin in Austin, Texas. Nach einem Studium der Soziologie und Geschichte begann sie ihre literarische Karriere in den 1990er Jahren; bekannt wurde vor allem ihr zweiter Roman, „Nadiemeverállorar“ (1999). In „LacrestadeIlión“ (2002, in veränderter Fassung 2020) begehrt eine Schriftstellerin in einer stürmischen Nacht Einlass in das Haus der Protagonistin, bis sich deren Schicksale miteinander vermischen.Am bisher erfolgreichsten beiLser*innen wie der Kritik war ihrbisher vorletzterRoman, „Autobiografíadelalgodón“, der 2020 erschien. In ihmerzählt Rivera Garza die Geschichte des Baumwollanbaus im äußersten Norden Mexicos und zugleich die Geschichte eines Teils ihrer Familie…

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Kulturelles Trauma

Im aktuellen Tertulia-Newsletter beschäftige ich mich mit drei Themen, die allesamt um kulturelle Traumata kreisen.

Das ist zum einen die Vernachlässigung und Unterdrückung der regionalen Kultur des kolumbianischen Departments Chocó. Ich zeige auf, wie die Autorin und Kulturmanagerin Velia Videl diesen Missstand beheben möchte. Im zweiten Thema geht es um die Aufarbeitung eines traumatischen Ereignisses der jüngeren kolumbianischen Geschichte: Helena Urán Bidegain schreibt über die Besetzung des Justizpalastes in Bogotá im Jahr 1985, bei der ihr Vater ums Leben kam. Zu guter Letzt kommentiere ich die Wahlen vom 07. November 2021 in Nicaragua, die Erinnerungen an die Somoza-Diktatur wachrufen.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/dealing-with-cultural-trauma