Erinnerungsschätze aus Kolumbien

Reisen finden derzeit im Kopf statt. Gerne erinnere ich mich an meine letzte Reise nach Medellín, im November 2019. Es scheint ewig her und doch habe ich erst jetzt die Fotos wieder angeschaut und etwas vorsortiert. Hier ein paar Impressionen, die ich gerne mit Euch teile.

Die meiste Zeit verbrachte ich in Medellín selbst, um dort Interviews zu führen. An den Wochenenden zog es mich ins Grüne, wobei auch die Stadt selber viele schöne Grünflächen anzubieten hat. Über meinen Ausflug nach Jardín habe ich bereits geschrieben.

Viele Erinnerungen, vieles zu erzählen. In den nächsten Wochen werde ich über lohnenswerte Ausflugsziele, interessante Projekte und gute Freunde in Antioquia, das Spötter auch gerne das „Texas Kolumbiens“ nennen, auf diesem Blog berichten.

Colombia Calling: Hörenswerter Podcast aus und über Kolumbien

Mit über 300 Folgen ist der Journalist und Hotelier Richard McColl längst ein Podcast-Veteran. Wöchentlich berichtet er in englischer Sprache aus Bogotá und damit „2600 metres closer to the stars“. Sein Podcast besteht aus einem Newsteil, den Adriaan Alsen von Colombia Reports aus Medellín beisteuert, und einem Interview mit thematischem Schwerpunkt. McColl selber beziffert die wöchentlichen Downloads auf etwa 10’000. Das ist eine sehr gute Zahl, wenn man bedenkt, dass er mit seinem Angebot eine Nische bedient. Wer will schon nach Kolumbien? Sein Zielpublikum besteht zum einen aus Expats in Kolumbien, vor allem aber aus Menschen, die gerne für kürzer oder länger nach Kolumbien reisen und sich jenseits der gängigen Klischees informieren möchten.

Quelle: Facebook-Seite, @ColombiaCalling

Aktuelle Episode zu Umweltproblemen Kolumbiens

Gerade die aktuelle, letzte Podcast-Episode des Jahres 2019 fand ich besonders informativ. Mit der Wissenschaftskommunikatorin Juliana Cuccaro spricht er über die drängendsten Umweltfragen Kolumbiens: Da sind zum einen das Fracking, in das die kolumbianische Öl- und Gasfirma Ecopetrol in den nächsten Jahren massiv investieren möchte. Erdöl ist eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Ein anderer ökologischer Dauerbrenner ist Glyphosat, dessen Einsatz zur Ausmerzung von Koka-Pflanzungen 2015 von der kolumbianischen Regierung unter Santos ausgesetzt wurde, nun aber von der Regierung Duque wieder eingefordert wird, weil sie keine anderes einfaches Mittel finden, um den Anbau der Koka-Pflanzen einzudämmen. Sehr engagiert und kenntnisreich ist Cuccaro auch bei der Diskussion um die Gefährdung der Páramos. Die Páramos sind eine in den Anden typische Hochlandsteppe, die ein wichtiges Wasserreservoir bilden. Mehrere dieser Ökosysteme sind in Kolumbien durch Bergbauprojekte bedroht z.B. in Cruz Verde, das eine wichtige Rolle in der Wasserversorgung Bogotás spielt.

Vielfältiges Themenspektrum

Die aktuelle Episode geht auf einen Hörerwunsch zurück, was wenig verwundert, denn viele Touristen kommen wegen der Biodiversität und Schönheit der Landschaft nach Kolumbien. Dank seines Netzwerks kann Richard McColl insgesamt ein grosses Themenspektrum abdecken. Da geht es – mit Blick auf das Zielpublikum und das eigene wirtschaftliche Interesse McColls (er betreibt mit seiner Frau ein Hotel in Mompós) – oft um Tourismus (z.B. LGBT-Travel, die Musikszene in Cali oder eine Erkundung des Darién, der Grenzregion zu Panamá) oder die Möglichkeiten, sich als Expat in Kolumbien eine eigene Existenz aufzubauen. Er bringt aber auch immer wieder gute Hintergrundberichte zur aktuellen politischen Lage Kolumbiens. Angesichts der starken Polarisierung der kolumbianischen Öffentlichkeit bin ich manchmal ganz froh, wenn ich mich bei ihm in einer halben Stunde recht ausgewogen informieren kann.

Podcast mit viel Potenzial

Manchmal hört McColl sich gerne selber reden. Da denke ich, er hält sich für den ultimativen Kolumbien-Kenner; aber letztlich hat er ein wirklich gutes Händchen dafür, immer wieder kompetente Gesprächspartner für seinen Podcast zu gewinnen. Er ist gut vernetzt. Teilweise lässt ab und an die Audio-Qualität zu wünschen übrig, insbesondere dann, wenn viele Nebengeräusche und Rauschen das Hörvergnügen stören. Doch man darf auch nicht vergessen, dass viel Freizeit in diesen Podcast fliesst – sowohl von Seiten McColls als auch seiner Gesprächspartner. Viele der Interviewten haben offensichtlich kein professionelles Equipment und nutzen Skype für die Interviews. Mit etwas besserer finanzieller Ausstattung könnte die technische Qualität vermutlich schnell verbessert werden. Es scheint so, dass McColl auch auf der Suche nach neuen Geldmitteln für seinen Podcast ist:

Ich jedenfalls wünsche Richard McColl weiterhin viel Erfolg mit seinem Podcast und hoffe, dass er langfristige Sponsoren findet. Der Podcast kann über alle gängigen Podcast-Apps gehört und heruntergeladen werden.