Leeres Spanien

Zur Vorbereitung unserer jährlichen Wanderung auf dem Camino de Santiago habe ich endlich Sergio del Molinos Essay La España vacía. Viaje a un país que nunc tue (2016) gelesen.

Meine Besprechung findet sich – wie immer – in meinem gleichnamigen Newsletter in englischer Sprache. Hier könnt Ihr die Kritik nachlesen: https://tertulia.substack.com/p/empty-spain

Auch wenn der Titel einen Reisebericht suggeriert, ist es doch eine Art komplementäre und selektive Literaturgeschichte Spaniens, die gutes Vorwissen voraussetzt.

Die deutsche Übersetzung ist übrigens im letzten Jahr unter dem Titel Leeres Spanien. Reise in ein Land, das es nie gab im Wagenbach-Verlag erschienen. Übersetzt wurde das Buch von Peter Kultzen.

Viele nannten sie einfach „La Señora“

Meinen aktuellen Newsletter widme ich einer bedeutenden Frau der Renaissance. Gracia Nasi (1510-1569), auf den christlichen Namen Beatrice de Luna Miques getauft, teilweise auch Gracia Mendes (nach dem Familiennamen ihres Mannes) oder Hannah Nasi genannt. Bereits die Frage, wie wir diese Frau benennen, ist eine eigene Studie über kulturelle Identität wert. So wird Gracia als eine hispanisierte Form ihres hebräischen Vornamens Hannah gedeutet. Auch ihren Zeitgenossen und Zeitgenossinnen im damaligen Konstantinopel ging es ähnlich. Sie nannten Gracia Nasi der Einfachheit halber «La Señora», die Herrin, was uns einen ersten Eindruck ihrer Macht und ihrer sefardischen Herkunft verrät.

In meinem Newsletter führe ich in einige gute Quellen zum ereignisreichen Leben der Kauffrau, deren Lebensweg als Kind aragonesischer «Conversos» in Lissabon beginnt, dann nach Antwerpen, Venedig, Ferrara und schliesslich nach Istanbul führt, ein. Gracia Nasis Leben ist nicht nur auf einer biografischen Ebene superspannend, sondern vermittelt uns einen Einblick in das Schicksal der sefardischen Juden, die nach der Vertreibung von der Iberischen Halbinsel Zuflucht in mehreren europäischen Handelsstädten suchten, letztlich aber nur im Ottomanischen Reich vor der Inquisition sicher sein konnten.

Der Newsletter ist unter dem Titel „A polyglot by faith“ für alle kostenlos auf Substack zu lesen.

Wie die Christbaumlichter elektrisch wurden

In meiner aktuellen Tertulia nehme ich den Faden einer weihnachtlichen Geschichte aus der Washington Post auf, die mir gut gefallen hat.

Hier könnt Ihr sie und eine Shortlist meiner Lektüreempfehlungen aus dem Jahr 2022 nachlesen.

https://tertulia.substack.com/p/electric-christmas-lights

Frohe Weihnachten und Feliz Navidad!

Gustavo Petro ins Amt eingeführt

Gustavo Petro wurde am 7. August 2022 auf der Plaza Bolívar in Kolumbiens Hauptstadt ins Amt des Präsidenten eingeführt. Er ist der 34. Präsident der Republik Kolumbien. An seiner Seite amtet die Umweltaktivistin Francia Márquez als Vizepräsidentin.

Die Feier symbolisiert auf vielfache Weise die Hoffnung, aber auch die Ängste, die die kolumbianische Bevölkerung mit dieser Amtseinführung verbinden. Die Böll-Stiftung hat eine sehr gute Zusammenfassung des umfassenden Programms der neuen Regierung publiziert. Ich habe in meinem letzten Newsletter drei kulturelle Details aus dieser Zeremonie herausgepickt, die zum einen den Optimismus, aber auch die politischen Widerstände gegenüber der neuen Regierungspolitik symbolisieren:

  1. der Streit um eines der Schwerter Simón Bolívars bei der Amtseinführung
  2. die Performance der afrokolumbianischen Pianistin Teresita Gómez aus Medellín
  3. der Erfolg des jungen afrokolumbianischen Modedesigners Esteban Sinisterra, der für die Outfits der Vizepräsidentin verantwortlich zeichnet.

Der Newsletter ist wie immer auf Substack nachzulesen: https://tertulia.substack.com/p/gustavo-petro-sworn-in-as-new-president

Podcast-Empfehlungen

In meinem aktuellen Newsletter auf Substack empfehle ich drei Podcast-Episoden aus der spanischsprachigen Kulturwelt. Hier sind die Empfehlungen auf Deutsch:

Asunción Gómez-Pérez, neues Mitglied der RAE

Das Thema Künstliche Intelligenz nimmt zum ersten Mal Platz im Plenum der Königlichen Spanischen Akademie (Real Academia Española, RAE). Asunción Gómez-Pérez, promovierte Informatikerin, wurde als neues Mitglied der RAE gewählt. Sie übernimmt den vakanten Sitz q (silla q).

Asunción Gómez-Pérez (Foto stammt aus El País)

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Semantic Web und Ontologie-Engineering. Sie ist damit die zwölfte Frau, die Einsitz im Plenum nimmt. Sie bringt ein völlig neues Profil mit, das der Institution viele neue Anstösse geben könnte. So zum Beispiel, wenn es um die Weiterentwicklung von Wörterbüchern oder automatische Übersetzungen geht. Auch die RAE durchläuft zur Zeit einen Prozess der digitalen Transformation. Das ist für eine altehrwürdige und geisteswissenschaftlich geprägte Institution sicherlich nicht immer ganz leicht.

RNE unterhielt sich mit Gómez-Pérez an der Polytechnischen Universität Madrid, wo sie als ordentliche Professorin arbeitet. Mit ihrer pragmatischen Sichtweise in Bezug auf Anglizismen und ihrem technischen Hintergrund könnte Gómez-Pérez eine erfrischende Ergänzung für das Plenum sein. Ich bin gespannt, wie sich ihr Einfluss entwickeln wird. Hier ist das Interview mit ihr

El Ponte – Kulturbrücken bauen

El Ponte ist ein ganz neuer Podcast, der Geschichten, Verbindungen und Kulturen des Ladino, der Sprache der sephardischen Juden in der Diaspora, beschäftigt. Obwohl die Sprache derzeit eine Randerscheinung ist, lebt Ladino von den Überschneidungen seiner vielen Einzelelemente, wie Spanisch, Portugiesisch, Hebräisch, Türkisch, Griechisch, Italienisch, Französisch, Arabisch und mehr fort. Als Gastgeber diskutieren Max Daniel und Ivy Jane aus Los Angeles über Themen wie Ort, Heimat, Diaspora, sprachliche und kulturelle Weitergabe und Gemeinschaft. In jeder Folge interviewen sie Gäste aus der ganzen Welt über ihre Beziehungen zum Ladino. Wenn Sie sich für Sprachen allgemein, die spanischsprachige Welt, die jüdische Kultur oder eben die vielen Überschneidungen zwischen diesen Themen interessieren, überqueren Sie diese „Brücke“, indem Sie in die Einstiegsfolge des Podcasts reinhören.
Ich finde es sehr interessant, dass zwei junge Menschen den Podcast starten. Ladino ist inzwischen viel mehr als ein nostalgisches Gefühl für ältere Menschen oder eine Nische für Hispanisten oder Hispanistinnen. Soweit ich weiß, ist es auch der erste englischsprachige Podcast über Ladino, und ich hoffe, dass er das Interesse derjenigen wecken wird, die mehr über diesen Teil der spanischen Sprachgeschichte erfahren wollen. Hier ist der Link zu ihrer ersten Folge.

Ich wünsche den beiden alles Gute und eine aufmerksame Zuhörerschaft.

Luisa Etxenike, Cruzar el agua

Susana Santaolalla, die Moderatorin der klassischen Radiosendung Libros de arena, ist immer sehr enthusiastisch, wenn sie über Literatur spricht; aber es war faszinierend, ihrem lebhaften Gespräch mit der spanischen Schriftstellerin Luisa Etxenike über ihr neues Buch Cruzar el agua (Das Wasser überqueren) zu folgen.

In dem Buch geht es um das Thema Einwanderung, das aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird. Manuela hat Kolumbien mit ihrem Sohn verlassen, der seit einem Jahr nicht mehr spricht. Sie arbeitet nun im Haus von Irene, die durch einen Unfall erblindet ist. Irene versucht, jeden Tag allein im Meer zu schwimmen, obwohl das Risiko besteht, dass sie die Wellen nicht früh genug sieht und sie ihr Leben gefährdet. Als die beiden Frauen beginnen, miteinander zu sprechen, kommen nach und nach die Ereignisse ans Licht, die das Leben der drei verändert haben – mit unerwarteten Folgen.

Ich habe dieses Gespräch mit seiner positiven Ausstrahlung sehr genossen und freue mich darauf, das Buch zu lesen. Extenike ist eine humanistische Autorin und mir gefällt der zentrale Gedanke des Romans, dass die Entwurzelung durch Vertreibung oder Emigration auch eine Befreiung sein kann.

Hier ist der Podcast: Libros de arena: Luisa Etxenike, Cruzar el agua

Viel Spass beim Hören dieser Podcast-Folgen!

Die englische Version des Newsletters findet sich wie immer auf Substack.

Wandern auf der Via de la Plata

Die Via de la Plata ist der längste der spanischen Caminos, die nach Santiago de Compostela führen. Mein Mann und ich haben die Osterpause genutzt, um mehrere Etappen dieses Pilgerwegs zwischen Sevilla und Mérida zu meistern. Damit die Erholung nicht zu kurz kommt und auch eine erneute Infektion mit dem Coronavirus verhindert wird, haben wir uns in sehr netten Hotels einquartiert. Generell aber ist es so, dass es auf dieser Strecke kaum öffentliche Herbergen gibt. Wir haben es sehr gut gehabt. Die täglichen Wanderetappen waren zwischen 16 und 26 km lang.

Einen ausführlichen Einblick mit vielen Fotos könnt Ihr im aktuellen Newsletter nachlesen: https://tertulia.substack.com/p/turigrinos-on-the-via-de-la-plata?s=w

PS: Die Kacheln oben aus dem Beitragsbild stammen übrigens aus dem Alcázar in Sevilla, aus einem Saal, der für die Hochzeit Karls V. mit Isabella von Portugal neu hergerichtet wurde.

Bücherreisen

In meiner neuesten Tertulia bin ich dank Büchern und Artikeln wieder einmal in der spanischsprachigen Welt herumgekommen.

Im Newsletter greife ich die folgenden Themen auf:

  • ein Podcast von RNE über das mexikanische Spanisch
  • ein Gespräch mit der Schriftstellerin Anika Fajardo aus Minnesota über die Suche nach ihren kolumbianischen Wurzeln
  • und ein faszinierender Essay Alain de Toledos über das Judenspanische und dessen Bedeutung für ihn persönlich, aber auch für die sefardische Community.

Auch wenn wir derzeit gewisse Reisebeschränkungen hinnehmen müssen, werden Bücher und Kultur immer imaginäre Reisen ermöglichen.

Viel Spass bei der Lektüre: https://tertulia.substack.com/p/bookish-travels

Was ist ein «cuento chino»?

Gestern Abend haben wir bei Nüsschen und einem Glas Wein eine DVD aus dem Regal gekramt. Wir sind der Meinung, es lohnt sich «Un cuento chino» (Ein Chinese zum Mitnehmen, Argentinien, 2011) mehr als einmal anzuschauen.

Der Film von Sebastián Borensztein handelt von der Begegnung des argentinischen Eisenwarenhändlers Roberto mit dem Chinesen Jun, der auf der Suche nach seinem Onkel nach Argentinien gekommen ist, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen.

Trotz etwas Klamauk ist es ein stiller, melancholischer Film, der viele argentinische Vorurteile gegenüber der chinesischen Bevölkerung und China als Ganzes kritisch aufs Korn nimmt. Das fängt an mit der touristisch verklärenden Perspektive der Anfangsszene, in der die Braut in ihrem hochgeschlossenen traditionellen Kleid wie aus der Zeit gefallen erscheint. Das geht bis zum Titel des Films: Ein «cuento chino» ist im Spanischen nicht einfach nur eine chinesische Erzählung, sondern eine absurde, erfundene Geschichte. Es stellt sich jedoch heraus, dass die absurdeste und unglaublichste Geschichte von allen am Ende wahr ist (nun gut, zumindest im Film)…

Un cuento chino: significado y usos coloquiales.

Dreimal Kolumbien

In der 16. Ausgabe des englischsprachigen Tertulia-Newsletters geht es gleich dreimal um Kolumbien.

  1. Dieses Jahr erinnert Kolumbien daran, dass vor 170 Jahren die Sklaverei im Land abgeschafft wurde. Im Newsletter erfahrt ihr, welche Aktivitäten das Kultusministerium plant, um dieses Gedenken so zu gestalten, dass die afrokolumbianischen Beiträge zum Enstehen der kolumbianischen Kultur und Nation besser bekannt und gewürdigt werden.
  2. Mein guter Freund Memo Anjel ist einer der Podcast-Pioniere Kolumbiens. In seinem Podcast „La otra historia“ spricht er über historische, philosophische und literarische Themen und zeigt vor allem auch immer wieder die Zusammenhänge auf. In den letzten Monaten macht er die Aufnahme gemeinsam mit der Kollegin Alejandra Lopera vom EAFIT. Der Podcast wird von der Universidad Pontificia Bolivariana in Medellín gehostet, wo Memo Kommunikation unterrichtet. Hört mal rein!
  3. Die angehende Kulturwissenschaftlerin Larissa Hernández hat in einem «close reading» des Romans Hundert Jahre Einsamkeit zusammengestellt und analysiert, welche kulinarischen Gewohnheiten im Hause Buendía gepflegt wurden, wie diese sich im Laufe der Familiengeschichte entwickelten und was sie mit der Ungleichheit Kolumbiens zu tun haben.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/colombia-on-my-mind

Und hier könnt Ihr den Newsletter abonnieren, damit Ihr keine weitere Ausgabe mehr verpasst.

Ladino-Sommerfestival

Letztes Jahr habe ich angefangen, Ladino zu lernen, was ich auf diesem Blog mehrfach dokumentiert habe. Für alle neuen Leserinnen und Leser möchte ich zunächst ein paar Begriffsklärungen vornehmen:Ladino ist die romanische Sprache der Juden, die sie nach der Vertreibung aus Spanien und Portgual in der Diaspora weiter gesprochen und über Jahrhunderte erhalten haben. Ladino wird oft auch Judenspanisch genannt. Die Nachkommen dieser jüdischen Menschen werden als Sephardim bezeichnet. Das Wort „Sephardim“ stammt von dem hebräischen Wort für die iberische Halbinsel, Sepharad, das in der Bibel vorkommt.

Mit guten Spanischkenntnissen fällt es leicht, Ladino zu verstehen. Sprechen ist herausfordernder, gerade weil die Nähe zum aktuellen Spanisch doch sehr gross ist und phonetische Abweichungen sehr systematisch erfolgen. Leider gab es für einen Konversationskurs, den ich über den Sommer besuchen wollte, nicht genügend Anmeldungen, so dass ich mich anderweitig auf die Suche nach interessanten Themen zu Sprache und Kultur des Judenspanischen gemacht habe. In meinem aktuellen englischsprachigen Newsletter habe ich drei Themen vorgestellt, die einen guten Überblick über verschiedene kulturelle Aspekte des Ladino geben:

  • das Video Saved by language erzählt die Geschichte eines bosnischen Sefarden, der bis zur Vernichtung seiner Gemeinde durch die Nazis Ladino sprach.
  • der Roman The beauty queen of Jerusalem bzw. Die Schönheitskönigin von Jerusalem erzählt die Geschichte einer sefardischen Familie in Jerusalem von den Zwanziger bis in die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
  • drei Online-Kurse in spanischer Sprache, die einen guten Einblick in die Geschichte und Kultur des jüdischen Spanien bieten.

Ausführlichere Informationen zu den drei Themen gibt es im aktuellen Newsletter.