Was ist ein «cuento chino»?

Gestern Abend haben wir bei Nüsschen und einem Glas Wein eine DVD aus dem Regal gekramt. Wir sind der Meinung, es lohnt sich «Un cuento chino» (Ein Chinese zum Mitnehmen, Argentinien, 2011) mehr als einmal anzuschauen.

Der Film von Sebastián Borensztein handelt von der Begegnung des argentinischen Eisenwarenhändlers Roberto mit dem Chinesen Jun, der auf der Suche nach seinem Onkel nach Argentinien gekommen ist, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen.

Trotz etwas Klamauk ist es ein stiller, melancholischer Film, der viele argentinische Vorurteile gegenüber der chinesischen Bevölkerung und China als Ganzes kritisch aufs Korn nimmt. Das fängt an mit der touristisch verklärenden Perspektive der Anfangsszene, in der die Braut in ihrem hochgeschlossenen traditionellen Kleid wie aus der Zeit gefallen erscheint. Das geht bis zum Titel des Films: Ein «cuento chino» ist im Spanischen nicht einfach nur eine chinesische Erzählung, sondern eine absurde, erfundene Geschichte. Es stellt sich jedoch heraus, dass die absurdeste und unglaublichste Geschichte von allen am Ende wahr ist (nun gut, zumindest im Film)…

Un cuento chino: significado y usos coloquiales.

Dreimal Kolumbien

In der 16. Ausgabe des englischsprachigen Tertulia-Newsletters geht es gleich dreimal um Kolumbien.

  1. Dieses Jahr erinnert Kolumbien daran, dass vor 170 Jahren die Sklaverei im Land abgeschafft wurde. Im Newsletter erfahrt ihr, welche Aktivitäten das Kultusministerium plant, um dieses Gedenken so zu gestalten, dass die afrokolumbianischen Beiträge zum Enstehen der kolumbianischen Kultur und Nation besser bekannt und gewürdigt werden.
  2. Mein guter Freund Memo Anjel ist einer der Podcast-Pioniere Kolumbiens. In seinem Podcast „La otra historia“ spricht er über historische, philosophische und literarische Themen und zeigt vor allem auch immer wieder die Zusammenhänge auf. In den letzten Monaten macht er die Aufnahme gemeinsam mit der Kollegin Alejandra Lopera vom EAFIT. Der Podcast wird von der Universidad Pontificia Bolivariana in Medellín gehostet, wo Memo Kommunikation unterrichtet. Hört mal rein!
  3. Die angehende Kulturwissenschaftlerin Larissa Hernández hat in einem «close reading» des Romans Hundert Jahre Einsamkeit zusammengestellt und analysiert, welche kulinarischen Gewohnheiten im Hause Buendía gepflegt wurden, wie diese sich im Laufe der Familiengeschichte entwickelten und was sie mit der Ungleichheit Kolumbiens zu tun haben.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/colombia-on-my-mind

Und hier könnt Ihr den Newsletter abonnieren, damit Ihr keine weitere Ausgabe mehr verpasst.

Ladino-Sommerfestival

Letztes Jahr habe ich angefangen, Ladino zu lernen, was ich auf diesem Blog mehrfach dokumentiert habe. Für alle neuen Leserinnen und Leser möchte ich zunächst ein paar Begriffsklärungen vornehmen:Ladino ist die romanische Sprache der Juden, die sie nach der Vertreibung aus Spanien und Portgual in der Diaspora weiter gesprochen und über Jahrhunderte erhalten haben. Ladino wird oft auch Judenspanisch genannt. Die Nachkommen dieser jüdischen Menschen werden als Sephardim bezeichnet. Das Wort „Sephardim“ stammt von dem hebräischen Wort für die iberische Halbinsel, Sepharad, das in der Bibel vorkommt.

Mit guten Spanischkenntnissen fällt es leicht, Ladino zu verstehen. Sprechen ist herausfordernder, gerade weil die Nähe zum aktuellen Spanisch doch sehr gross ist und phonetische Abweichungen sehr systematisch erfolgen. Leider gab es für einen Konversationskurs, den ich über den Sommer besuchen wollte, nicht genügend Anmeldungen, so dass ich mich anderweitig auf die Suche nach interessanten Themen zu Sprache und Kultur des Judenspanischen gemacht habe. In meinem aktuellen englischsprachigen Newsletter habe ich drei Themen vorgestellt, die einen guten Überblick über verschiedene kulturelle Aspekte des Ladino geben:

  • das Video Saved by language erzählt die Geschichte eines bosnischen Sefarden, der bis zur Vernichtung seiner Gemeinde durch die Nazis Ladino sprach.
  • der Roman The beauty queen of Jerusalem bzw. Die Schönheitskönigin von Jerusalem erzählt die Geschichte einer sefardischen Familie in Jerusalem von den Zwanziger bis in die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
  • drei Online-Kurse in spanischer Sprache, die einen guten Einblick in die Geschichte und Kultur des jüdischen Spanien bieten.

Ausführlichere Informationen zu den drei Themen gibt es im aktuellen Newsletter.

Elisa Loncón nach der Wahl zur Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung

Wer wir sind und wer wir sein wollen

Im aktuellen Newsletter der Tertulia beschäftigen sich alle Themen mit der Frage nach kulturellem Gedächtnis und Identität in heterogenen Gesellschaften:

  • Elisa Loncón, Vertreterin des indigenen chilenischen Volkes der Mapuche ist vor zwei Wochen zur Präsidentin des chilenischen Verfassungskonvents gewählt worden. Das sind gute Nachrichten und macht Hoffnung auf eine progressive neue Verfassung, die auf Inklusion, Versöhnung und Wiedergutmachung ausgerichtet ist.
  • Der Kolumnist Michael Reid des britischen Wochenmagazins The Economist beteiligt sich im Zuge der laufenden Protestbewegungen in vielen lateinamerikanischen Ländern an der Debatte über nationale Identitäten in Lateinamerika und
  • der spanische Journalist David Yagué stellt neue Romane über den spanischen Bürgerkrieg vor.

Hier geht es zum aktuellen Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/who-are-we

Tertulia meldet sich nach der Sommerpause im August wieder.

Credits für das Beitragsbild: Mediabanco, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Themen aus drei Kontinenten

Die aktuelle Ausgabe des Tertulia-Newsletters wartet mit Themen aus drei Kontinenten auf:

  • Ich stelle Euch Estanislao Medina Huesca vor, einen jungen Schriftsteller aus Malabó, der Hauptsstadt Äquatorialguineas. Spanisch ist eine Nationalsprache des afrikanischen Landes, weil es von 1778 bis zur Unabhängigkeit 1968 spanische Kolonie war, die einzige in Afrika südlich der Sahara.
  • El País hat eine guten Überblick über Neuerscheinungen zum Thema republikanisches Exil veröffentlicht. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr, denn das spanische Ministerium für Präsidiales, die Beziehungen zum Parlament und das demokratische Gedächtnis (Ministerio de la Presidencia, Relaciones con las Cortes y Memoria Democrática, MPR) hat am 08. Mai einen Staatsakt zum Gedenken und zur Ehrung der spanischen Exilanten durchgeführt. Das ist auch für mich ein guter Anlass, auf ein paar Bücher meiner Lieblingsautoren hinzuweisen, die das Thema des republikanischen Exils literarisch verarbeiten.
  • Der Philosoph José Luis Villacañas hat eine neue Biographie über den Humanisten Luis Vives geschrieben. Dazu gibt es auch den Link zu einem Video, in dem er anlässlich einer Veranstaltung mit dem Centro Sefarad-Israel das Buch vorstellt. Etwas länger, aber dafür etwas dialogischer, ist diese Buchbesprechung in der Fundación Juan March, die das Projekt finanziert hat. Auch Luis Vives ist streng genommen eine Art Exilant. Der Sohn von conversos verliess aus Sorge vor der Inquisition Spanien und lebte später hauptsächlich in Brügge. Er schrieb alle seine Werke in lateinischer Sprache.

Und wie immer gibt es zum Schluss etwas Musikalisches, Genussvolles oder etwas Nachdenkliches. Dieses Mal handelt es sich um eine Twitter-Reflexion des Kulturkritikers Jorge Carrión.

Viel Spass bei der Lektüre: Tertulia, vol. 11

Tag der spanischen Sprache

Am 23. April ist der Tag der spanischen Sprache. Die UN feiert an diesem Tag eine ihrer sechs Arbeitssprachen und feiert damit zugleich die Mehrsprachigkeit und kulturelle Diversität der eigenen Organisation.

Zunächst wurde dieser Tag am 12. Oktober begangen, also am viel kritisierten día de la hispanidad, hat aber dann mit dem 23. April, dem Sterbedatum Miguel de Cervantes“, einen Termin gefunden, der den Konsens aller gefunden hat.

Mein aktueller Newsletter widmet sich dem Wirken des Spanischen und der spanischen Kultur in der Welt mit drei spannenden Themen:

  • ein Gespräch zwischen Rubén Blades, Sergio Ramírez und Claudia Morales über die Gemeinsamkeiten der lateinamerikanischen Kulturen, gerade auch in Zeiten der Pandemie
  • eine Buchbesprechung von Leonardo Paduras Roman „Die Durchlässigkeit der Zeit“, die uns nicht nur in das Kuba der Gegenwart, sondern bis in den Mittelmeerraum der Kreuzzüge und ein einsames Pyrenäendorf führt.
  • wie das Wort „chévere“ von Spanien in seine Kolonien reiste und dank Telenovelas wieder zurückkam.

Viel Spass! Hier ist der Link: https://tertulia.substack.com/p/its-un-spanish-language-day-this

Zeitreise in die frühe Renaissance

Was macht man, wenn man sich nach einem Unfall kaum bewegen kann? Gute Bücher erfordern Konzentration und – zumindest bei mir – stetige Anpassung der Körperhaltung. Also habe ich in den letzten 4 Wochen vor allem Serien geschaut. Mein Schwerpunkt lag auf den 39 Episoden, die das Leben und die Regentschaft von Isabel la católica nachzeichnen. Das hat mich dazu gebracht, mich auch mit der Musik und Kultur dieser Epoche zu beschäftigen – soweit es von der Couch aus möglich war.

All dies kann in meinem aktuellen Newsletter nachgelesen werden: https://tertulia.substack.com/p/sick-and-couchbound

Viel Spass bei dieser Zeitreise!

Berührungspunkte

Diese Woche geht es in meinem Newsletter um vielfältige kulturelle Berührungspunkte:

  1. Im ersten Beitrag geht es um Spanglish, das häufig mit mangelnder sprachlicher Kompetenz gleichgesetzt wird, tatsächlich aber als Zeichen einer kulturellen Neubestimmung gesehen und als eines der wichtigsten linguistischen Phänomene der englisch- und spanischsprachigen Welt untersucht werden kann.
  2. Im zweiten Beitrag stelle ich Ricardo Piglias Auseinandersetzung mit der Literatur und Kunst seiner Zeit vor, so wie er sie in den drei Bänden der autobiografischen Diarios de Emilio Renzi von 1957 bis 2015 aufgezeichnet hat.
  3. Der dritte Beitrag stellt eine Videoserie der Deutschen Welle vor, in der tatkräftige und mutige Frauen Lateinamerikas vorgestellt werden. Das Programm wird von Yoani Sánchez und Natalia Orozco verantwortet.

Zu guter Letzt gibt es noch einen Musik-Pick, der sich in den letzten Wochen rasend schnell in den sozialen Medien verbreitet hat, weil er unverblümt Kritik am kubanischen Regime übt: „Patria y vida“

Hier geht es zum vollständigen Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/bonds?r=dvgsy&utm_campaign=post&utm_medium=web&utm_source=copy

Flucht und Widerstand

Eines eint die Themen meines aktuellen Newsletters, der letzten Donnerstag erschienen ist. In allen geht es um zwei wichtige Funktionen von Kultur in der Gesellschaft: Kultur bietet die Möglichkeit der Flucht in eine bessere imaginäre Wirklichkeit. Kultur ermöglicht aber gleichzeitig auch, sich der realen Wirklichkeit zu widersetzen. Und das nicht nur imaginiert. Dies zeigt der Fall des Botanischen Gartens in Medellín, wo sich die Bewohner und Bewohnerinnen gegen Budgetkürzungen und Entlassungen beim beliebten Zufluchtsort zu wehren beginnen.

Hier sind die Themen:

  • Die populärsten Orte/Schauplätze spanischer Kultur (gemäss einer Umfrage des Observatorio de la cultura),
  • die finanzielle Krise des Botanischen Gartens in Medellín,
  • der Lebensweg der sefardischen Sängerin Flory Jagoda, für die ihre Musik Flucht und Widerstand gleichzeitig war.

Viel Spass beim Lesen!

Wenn Ihr keine Ausgabe verpassen wollt, könnt Ihr den Newsletter auch gerne abonnieren: https://tertulia.substack.com

Mariposas amarillas en homenaje a Gabo en una lluviosa noche en la escuela

Amor de mis amores

Tertulia, vol. 3, 11.02.2021

Der neue englischsprachige Newsletter ist da. Was sind die Themen der dritten Ausgabe? Zuerst berichte ich über das Hay Festival in Cartagena de las Indias, dann stelle ich die spanische Übersetzung eines Buches vor, das mich an meine Zeit als Studentin der Hispanistik erinnert. Zum Schluss habe ich eine Filmempfehlung aus El Salvador für Euch. Es handelt sich um den ersten salvadorianischen Film, der für eine Oscar-Nominierung in Frage kommt. Was hält diese News zusammen? Die Liebe. Immerhin, es ist Februar und am Sonntag ist Valentinstag 😍. Mehr Amor gibt’s dann noch in meiner Musikauswahl am Ende des Newsletters.