Die virtuelle Renaissance des Ladino

Mein letzter Newsletter hatte einen klaren thematischen Schwerpunkt: Ladino bzw. Juden-Spanisch, über das ich auf dem Blog bereits häufiger geschrieben habe (z.B. Ladino-Sommerfestival, Diya internacional del ladino und Ich lerne Ladino).

Zu den Themen, die ich im Newsletter aufgreife, gehören:

  • die Zusammenfassung der Video-Aufzeichnung eines Panels, in dem die Anstrengungen zur Reaktivierung des Ladino vorgestellt und diskutiert werden. Das Panel wurde vom Jewish Language Project am Hebrew Union College organisiert
  • das Webforum Ladinokomunitá, in der sich Mitglieder auf Ladino zu Themen ihrer kulturellen und sprachlichen Gemeinschaft austauschen
  • Filme, in denen die Kultur des sefardischen Judentums thematisiert wird.

Es gibt also viele Ansatzpunkte, um sich lesend und schauend mit dieser Variante der romanischen Sprachen auseinanderzusetzen. Die digitalen Tolls helfen dabei erheblich, um die Sprache lebendig zu halten.

Viel Spass bei der Lektüre: https://tertulia.substack.com/p/more-about-ladino-judeo-spanish

Premio José Donoso für Cristina Rivera Garza 

Der Literaturpreis „Premio José Donoso“ geht in diesem Jahr an die mexikanische Schriftstellerin Cristina Rivera Garza. 🥰

Förderkreis des IAI

In den ersten beiden Dezemberwochen findet traditionell die Buchmesse in Santiago de Chile statt. In ihrem Verlauf wird auch derPremioJoséDonoso, benannt nach dem berühmten chilenischen Schriftsteller (1924-1996) und einer der wichtigsten Literaturpreise Lateinamerikas,überreicht, auch wenn der/die Preisträger*injeweilsbereits im September bekanntgegeben wird. In diesem Jahr erhieltden Preisdie in Deutschland noch wenig bekannte mexikanische Autorin Cristina Rivera Garza.

Rivera Garza, geboren 1964, lebt als Literaturprofessorin in Austin, Texas. Nach einem Studium der Soziologie und Geschichte begann sie ihre literarische Karriere in den 1990er Jahren; bekannt wurde vor allem ihr zweiter Roman, „Nadiemeverállorar“ (1999). In „LacrestadeIlión“ (2002, in veränderter Fassung 2020) begehrt eine Schriftstellerin in einer stürmischen Nacht Einlass in das Haus der Protagonistin, bis sich deren Schicksale miteinander vermischen.Am bisher erfolgreichsten beiLser*innen wie der Kritik war ihrbisher vorletzterRoman, „Autobiografíadelalgodón“, der 2020 erschien. In ihmerzählt Rivera Garza die Geschichte des Baumwollanbaus im äußersten Norden Mexicos und zugleich die Geschichte eines Teils ihrer Familie…

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Kulturelles Trauma

Im aktuellen Tertulia-Newsletter beschäftige ich mich mit drei Themen, die allesamt um kulturelle Traumata kreisen.

Das ist zum einen die Vernachlässigung und Unterdrückung der regionalen Kultur des kolumbianischen Departments Chocó. Ich zeige auf, wie die Autorin und Kulturmanagerin Velia Videl diesen Missstand beheben möchte. Im zweiten Thema geht es um die Aufarbeitung eines traumatischen Ereignisses der jüngeren kolumbianischen Geschichte: Helena Urán Bidegain schreibt über die Besetzung des Justizpalastes in Bogotá im Jahr 1985, bei der ihr Vater ums Leben kam. Zu guter Letzt kommentiere ich die Wahlen vom 07. November 2021 in Nicaragua, die Erinnerungen an die Somoza-Diktatur wachrufen.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/dealing-with-cultural-trauma

Was ist ein «cuento chino»?

Gestern Abend haben wir bei Nüsschen und einem Glas Wein eine DVD aus dem Regal gekramt. Wir sind der Meinung, es lohnt sich «Un cuento chino» (Ein Chinese zum Mitnehmen, Argentinien, 2011) mehr als einmal anzuschauen.

Der Film von Sebastián Borensztein handelt von der Begegnung des argentinischen Eisenwarenhändlers Roberto mit dem Chinesen Jun, der auf der Suche nach seinem Onkel nach Argentinien gekommen ist, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen.

Trotz etwas Klamauk ist es ein stiller, melancholischer Film, der viele argentinische Vorurteile gegenüber der chinesischen Bevölkerung und China als Ganzes kritisch aufs Korn nimmt. Das fängt an mit der touristisch verklärenden Perspektive der Anfangsszene, in der die Braut in ihrem hochgeschlossenen traditionellen Kleid wie aus der Zeit gefallen erscheint. Das geht bis zum Titel des Films: Ein «cuento chino» ist im Spanischen nicht einfach nur eine chinesische Erzählung, sondern eine absurde, erfundene Geschichte. Es stellt sich jedoch heraus, dass die absurdeste und unglaublichste Geschichte von allen am Ende wahr ist (nun gut, zumindest im Film)…

Un cuento chino: significado y usos coloquiales.

Neues aus Nicaragua und Kolumbien

Im aktuellen Newsletter gehe ich auf die Situation des nicaraguanischen Schriftstellers Sergio Ramírez ein. Seinem ehemaligen Weggefährten aus der FSLN und heutigem Präsidenten Nicaraguas, Daniel Ortega, gefällt die beissende Systemkritik des Schriftstellers in seinem neuen Buch Tongolele no sabía bailar nicht. Er lässt den Schriftsteller per Haftbefehl suchen. Überhaupt versucht Ortega kritische Stimmen mundtot zu machen, indem er sie verhaften lässt. Das tut er, um seinen Gewinn bei den Präsidentschaftswahlen im November sicherzustellen.

Die beiden weiteren News kommen aus Kolumbien. Kolumbien führt im zweiten Jahr in Folge eine traurige Rangliste an: Nirgendwo sonst leben Umweltschützer und -aktivistinnen gefährlicher. Die gegenwärtige Regierung schafft es nicht, das Leben dieser Menschen wirksam zu schützen.

Auf der positiven Seite berichte ich von einem Projekt zum Schutz der Korallenriffe vor der kolumbianischen Insel San Andrés. Ziel ist es, mit Hilfe des 3D-Drucks Strukturen zu schaffen, die ein optimales Umfeld für die Ansiedlung neuer Korallen dort wieder herstellen, wo einem Riff bereits aufgrund des Klimawandels erhebliche Schäden zugefügt wurden. Das Projekt nahm seinen Anfang an der Zürcher ETH.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/letters-from-nicaragua-and-colombia

Kolumbien auf der Madrider Buchmesse

Für Bücherwürmer macht die Corona-Pandemie gerade eine kleine Pause. Am Wochenende gab es lange Schlangen, um Eintritt zur traditionellen Feria del Libro im Retiro-Park zu erhalten. Wie die Philologin Irene Vallejo twitterte, kann Warten auch Ausdruck der Vorfreude sein. Fast wie Weihnachten!

Ehrengast bei der Buchmesse war dieses Jahr Kolumbien, weshalb sogar der kolumbianische Präsident Ivan Duque diesen Zeitpunkt für einen Staatsbesuch in Spanien gewählt hatte. Sein Besuch erfreute nicht alle. Insgesamt gab es anlässlich der Buchmesse nicht nur zahlreiche Überblicke in der spanischen Presse zur gegenwärtigen kolumbianischen Literatur, sondern auch politische Diskussionen um die Einflussnahme der kolumbianischen Regierung, wer das Land nun angemessen auf der Messe vertreten dürfe. Dazu habe ich in meinem aktuellen Newsletter eine kleine Zusammenfassung geschrieben. Es geht also bereits zum zweiten Mal in Folge im Tertulia-Newsletter um Kolumbien. Wie immer, könnt Ihr den Newsletter auf Substack lesen oder gleich abonnieren!

Dreimal Kolumbien

In der 16. Ausgabe des englischsprachigen Tertulia-Newsletters geht es gleich dreimal um Kolumbien.

  1. Dieses Jahr erinnert Kolumbien daran, dass vor 170 Jahren die Sklaverei im Land abgeschafft wurde. Im Newsletter erfahrt ihr, welche Aktivitäten das Kultusministerium plant, um dieses Gedenken so zu gestalten, dass die afrokolumbianischen Beiträge zum Enstehen der kolumbianischen Kultur und Nation besser bekannt und gewürdigt werden.
  2. Mein guter Freund Memo Anjel ist einer der Podcast-Pioniere Kolumbiens. In seinem Podcast „La otra historia“ spricht er über historische, philosophische und literarische Themen und zeigt vor allem auch immer wieder die Zusammenhänge auf. In den letzten Monaten macht er die Aufnahme gemeinsam mit der Kollegin Alejandra Lopera vom EAFIT. Der Podcast wird von der Universidad Pontificia Bolivariana in Medellín gehostet, wo Memo Kommunikation unterrichtet. Hört mal rein!
  3. Die angehende Kulturwissenschaftlerin Larissa Hernández hat in einem «close reading» des Romans Hundert Jahre Einsamkeit zusammengestellt und analysiert, welche kulinarischen Gewohnheiten im Hause Buendía gepflegt wurden, wie diese sich im Laufe der Familiengeschichte entwickelten und was sie mit der Ungleichheit Kolumbiens zu tun haben.

Hier geht es zum Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/colombia-on-my-mind

Und hier könnt Ihr den Newsletter abonnieren, damit Ihr keine weitere Ausgabe mehr verpasst.

Der Fall Tenochtitláns

Heute, am 13. August 2021, jährt sich zum 500. Mal der Fall von Tenochtitlán durch die Truppen des Hernán Cortés.

Einen kurzen und informativen Überblick über die Ursprünge und die Einnahme Tenochtitláns, dem heutigen Mexico City, könnt Ihr in diesem Video der Encyclopedia Britannica nachschauen. Was hier in wenigen Minuten skizziert wird, ist seit 500 Jahren Gegenstand der Diskussion zwischen Spanien und Mexiko und füllt zahlreiche Bücher, Debatten und Forderungen. Dazu gehört allein schon die Benennung dieses Gedenktages. Einen guten Überblick gibt es hier, aus meiner Sicht besonders empfehlenswert der Beitrag des mexikanischen Historikers Enrique Krauze.

Ladino-Sommerfestival

Letztes Jahr habe ich angefangen, Ladino zu lernen, was ich auf diesem Blog mehrfach dokumentiert habe. Für alle neuen Leserinnen und Leser möchte ich zunächst ein paar Begriffsklärungen vornehmen:Ladino ist die romanische Sprache der Juden, die sie nach der Vertreibung aus Spanien und Portgual in der Diaspora weiter gesprochen und über Jahrhunderte erhalten haben. Ladino wird oft auch Judenspanisch genannt. Die Nachkommen dieser jüdischen Menschen werden als Sephardim bezeichnet. Das Wort „Sephardim“ stammt von dem hebräischen Wort für die iberische Halbinsel, Sepharad, das in der Bibel vorkommt.

Mit guten Spanischkenntnissen fällt es leicht, Ladino zu verstehen. Sprechen ist herausfordernder, gerade weil die Nähe zum aktuellen Spanisch doch sehr gross ist und phonetische Abweichungen sehr systematisch erfolgen. Leider gab es für einen Konversationskurs, den ich über den Sommer besuchen wollte, nicht genügend Anmeldungen, so dass ich mich anderweitig auf die Suche nach interessanten Themen zu Sprache und Kultur des Judenspanischen gemacht habe. In meinem aktuellen englischsprachigen Newsletter habe ich drei Themen vorgestellt, die einen guten Überblick über verschiedene kulturelle Aspekte des Ladino geben:

  • das Video Saved by language erzählt die Geschichte eines bosnischen Sefarden, der bis zur Vernichtung seiner Gemeinde durch die Nazis Ladino sprach.
  • der Roman The beauty queen of Jerusalem bzw. Die Schönheitskönigin von Jerusalem erzählt die Geschichte einer sefardischen Familie in Jerusalem von den Zwanziger bis in die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
  • drei Online-Kurse in spanischer Sprache, die einen guten Einblick in die Geschichte und Kultur des jüdischen Spanien bieten.

Ausführlichere Informationen zu den drei Themen gibt es im aktuellen Newsletter.

Elisa Loncón nach der Wahl zur Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung

Wer wir sind und wer wir sein wollen

Im aktuellen Newsletter der Tertulia beschäftigen sich alle Themen mit der Frage nach kulturellem Gedächtnis und Identität in heterogenen Gesellschaften:

  • Elisa Loncón, Vertreterin des indigenen chilenischen Volkes der Mapuche ist vor zwei Wochen zur Präsidentin des chilenischen Verfassungskonvents gewählt worden. Das sind gute Nachrichten und macht Hoffnung auf eine progressive neue Verfassung, die auf Inklusion, Versöhnung und Wiedergutmachung ausgerichtet ist.
  • Der Kolumnist Michael Reid des britischen Wochenmagazins The Economist beteiligt sich im Zuge der laufenden Protestbewegungen in vielen lateinamerikanischen Ländern an der Debatte über nationale Identitäten in Lateinamerika und
  • der spanische Journalist David Yagué stellt neue Romane über den spanischen Bürgerkrieg vor.

Hier geht es zum aktuellen Newsletter: https://tertulia.substack.com/p/who-are-we

Tertulia meldet sich nach der Sommerpause im August wieder.

Credits für das Beitragsbild: Mediabanco, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons